CTC - communities that care

No Blame Approach
No Blame Approach. Mobbing: Hinschauen, Handeln.
Effektivität theoretisch gut begründet

Programminformationen

Ziel

Zeitnahe und nachhaltige Beendigung von Mobbing in der Schule

Zielgruppe

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in allen Schulformen

Verhalten/Verhältnis
ausschließlich verhaltensbezogen
Ausschließlich verhaltensbezogene Programme setzen die Maßnahmen direkt am Individuum an, um gesundheitsbezogenes Verhalten zu beeinflussen. Dabei sollen für die Gesundheit riskante Verhaltensweisen (z.B. Rauchen, riskanter Alkoholkonsum) vermieden bzw. verändert werden sowie gesundheitsförderndes Verhalten unterstützt werden (z.B. gesunde Ernährung, Bewegung).
 
Methode

Der No Blame Approach ist eine lösungsfokussierte Maßnahme, um Mobbing unter Schülerinnen und Schülern zeitnah zu beenden. Dem lösungsorientierten Ansatz liegt die Annahme zu Grunde, dass Kinder/Jugendliche über die Fähigkeit zur Veränderung sowie über Kompetenzen und Ressourcen zur Konflikt- und Problemlösung verfügen.

Die Durchführung erfolgt in drei zeitlich aufeinander folgenden Schritten.

 

Schritt 1: Gespräch mit dem vom Mobbing betroffenen Kind/Jugendlichen (ca. 45 Minuten)

Ziel ist es, die Schülerin/den Schüler für das lösungsorientierte Vorgehen mit dem No Blame Approach zu gewinnen.

Wichtig ist hierbei:

  • Zuversicht zu vermitteln, Sicherheit zu geben, Engagement zu zeigen
  • keine (auch keine subtilen) Schuldzuweisungen
  • klären, welche Mitschülerinnen und Mitschüler als neutral wahrgenommen werden und welche zur Belastung beitragen

Ein detailliertes Erfragen der Vorfälle erfolgt nicht. Voraussetzung für den Start der Intervention ist das Einverständnis des betroffenen Kindes oder Jugendlichen.

 

Schritt 2: Gespräch mit der Unterstützungsgruppe (ca. 45 Minuten)

Es wird eine Unterstützungsgruppe aus 6–8 Schülerinnen/Schülern gebildet (eine Hälfte aus am Mobbing beteiligten Personen, die andere Hälfte aus neutralen Personen). Sie werden zu einem gemeinsamen Treffen eingeladen und um Hilfe gebeten.

Das Gespräch findet während der Unterrichtszeit statt und beinhaltet folgende Aspekte:

  • Situation wird allgemein geschildert (ohne Details)
  • keine Schuldzuweisungen, aber Veränderung wird eingefordert
  • Gruppe entwickelt eigene Ideen zur Verbesserung
  • Verantwortung wird an die Gruppe übergeben

Wichtig: Die Unterstützungsgruppe ist in erster Linie eine Hilfe für die pädagogische Fachkraft und nicht direkt als Helfergruppe für das betroffene Kind zu verstehen.

 

Schritt 3: Nachgespräche einzeln mit allen Beteiligten (ca. 10–20 Minuten)

Nach 8–14 Tagen finden kurze Einzelgespräche zunächst mit dem vom Mobbing betroffenen Kind/Jugendlichen und im Anschluss mit allen Mitgliedern der Unterstützungsgruppe statt.

  • Hat sich die Situation gebessert?
  • Welche Veränderungen gibt es?
  • kurze Nachgespräche mit allen Mitgliedern der Unterstützungsgruppe als Einzelgespräche

 

Der zeitliche Aufwand wird der jeweiligen Situation angepasst.
Eventuell sind Zwischengespräche mit der Unterstützungsgruppe notwendig.

Zur Sicherung der Nachhaltigkeit können über einen längeren Zeitraum neben der Beobachtung der Situation kurze Nachfragen/Erkundigungen bei Einzelnen aus der Unterstützungsgruppe und/oder der betroffenen Schülerin/dem betroffenen Schüler sowie deren Eltern sinnvoll sein. Diese können aber eher "beiläufig" stattfinden und bedürfen keines besonderen Rahmens.

Grundlegende Kenntnisse in Gesprächsführung und im Führen von Beratungsgesprächen gelten als hilfreich für die Umsetzung der Methode.

weiteres zur Zielgruppe
Material

Blum, H., Beck, D. (2023). Praxishandbuch No Blame Approach. 7. überarbeitete Auflage. Köln: fairaend.

Blum, H., Beck, D. (2024). No Blame Approach - Seminarmaterial, 8. aktualisierte Auflage. Köln: fairaend.

Blum, H., Beck, D. (2017). Eltern und der No Blame Approach: Sorgen, Nöte und Fragen von Eltern gut begegnen, 2. Auflage. Köln: fairaend.

Kosten und Aufwand

Verschiedene Schulungsformate sind verfügbar: Tages-Workshop, 2-tägiger Workshop, Praxistage, Vertiefungsseminare, Informationsveranstaltungen, Ausbildung zum Trainer/zur Trainerin, individuelle Beratungen

Die Kosten zum Programm sind hier aufgeführt: No Blame Approach_Kostenaufstellung.pdf

weitere Programminformationen

www.no-blame-approach.de

Blum, H., Beck, D. (2023). Praxishandbuch No Blame Approach. 7. überarbeitete Auflage. Köln: fairaend.

Ansprechperson

Heike Blum / Detlef Beck
Kirchplatz 5, 50999 Köln
Tel.: 02236-379179
E-Mail: info@no-blame-approach.de

www.no-blame-approach.de

Evaluation

Bund für Soziale Verteidigung (2008). Evaluation: der "No Blame Approach" in der schulischen Praxis. Köln/Minden: Bund für Soziale Verteidigung.

Die Ergebnisse der Auswertung von 186 Fragebögen einer Online-Befragung auf der No-Blame-Approach-Website aus Januar bis März 2016 weisen in eine ähnliche Richtung wie die Ergebnisse der veröffenlichten Evaluation aus 2008.
www.no-blame-approach.de/Auswertung-Kleine-Evaluation-des-No-Blame-Approach-2016.html


Müller, X. und Sigrist, M. (2019) Bedarfsanalyse zum Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten in der Schule. Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich. Verfügbar unter: https://www.hfh.ch/sites/default/files/documents/bedarfsanalyse_ive_def.pdf


Programmbewertung

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt.

Evaluationsmethode und –ergebnisse

Bund für Soziale Verteidigung, 2008:

Befragt wurden Teilnehmende von Qualifizierungs-Workshops und Informationsveranstaltungen. 33 leitfadengestützte halboffene Interviews wurden überwiegend telefonisch geführt. 541 Fragebögen wurden per E-Mail versendet, mit einem Rücklauf von insgesamt 86 Fragebögen. Das entspricht einer Rücklaufquote von ca. 16%. 220 Mobbing-Fälle wurden aus den Angaben abgeleitet.

Laut der Angaben wurden davon 192 Mobbing-Fälle erfolgreich gestoppt. Sie umfassten Vorfälle unterschiedlicher Intensität und Dauer. Seit Beendigung des Mobbings liegen in den einzelnen Fällen unterschiedliche Zeiträume vor, von 4 Wochen bis zu einem Jahr. Die Daten belegen die nachhaltige Beendigung des Mobbings von mindestens 6 Monaten in 63% der gestoppten Mobbing-Fälle.

26 Mobbing-Fälle wurden nicht erfolgreich gestoppt. In 12 Fällen begann das Mobbing nach kurzer Zeit von Neuem oder betraf eine andere Schülerin bzw. einen anderen Schüler. In weiteren 16 Mobbing-Fällen wurden verschiedene Gründe für das Nicht-Gelingen identifiziert, bspw. die Ablehnung des Verfahrens durch die Betroffenen, deren Eltern oder die einzubeziehende Lehrkräfte.

Die Anwenderinnen und Anwender gaben eine hohe Zufriedenheit mit der Intervention an, halten sie für sehr wirksam und schätzen den Implementations- und Zeitaufwand als eher gering ein.

Zu beachten ist, dass es sich bei den Daten um Selbstangaben handelt.

 

Müller & Sigrist, 2019:

Diese schweizer Studie zielte darauf, Weiterbildungsbedürfnisse von Lehrkräften zu erfassen. Hierzu wurde unter anderem ermittelt, welche Programme/Ansätze zu Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen in Schulen häufig genutzt und als hilfreich bewertet wurden. Erhoben wurde dies mit einer Online-Befragung, an der n= 1529 Personen (19,3% Schulleitungen, 58,8% Lehrkräfte, 14,7% schulische Heilpädagoginnen/-pädagogen, 7,2% andere), sowohl aus Regel- als auch Sonderschulen (87.7% Regelschulen, 10.7% Sonderschulen, 1.5% sonstige), aus 19 Schweizer Kantonen teilnahmen. Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte durch direkten Email-Kontakt, Newsletter oder durch Weiterleitung der Schulleitung an weitere Personen der jeweiligen Schule. 

Bei der Auswertung wurden die erfassten Programme unterschieden nach Maßnahmentyp (präventive, intervenierende Maßnahmen oder ganzheitliche Ansätze) und nach Verhaltensweisen (für externalisierendes oder internalisierendes Verhalten). No Blame Approach wurde unter den 14 intervenierenden Maßnahmen als häufigstes Programm benannt (von 21,1 % der Personen insgesamt; 29,3% der Schulleitungen) und wurde auch als hilfreichstes dieser Programme bewertet (d=0.94, starke Effektstärke). Von den Maßnahmen, die stärker als „mittelmäßig hilfreich“ beurteilt wurden, war No Blame Approach signifikant hilfreicher eingeschätzt als vier andere präventive Programme im Bereich der externalisierenden Verhaltensweisen. No Blame Approach wurde etwas häufiger in der Mittelstufe (24,3% der befragten Personen) als in der Sek I (20,3%) und in der Unterstufe (17,3 %) umgesetzt; andere Schulstufen (28,3%).

Die Studie ist eine Marktanalysestudie; hinsichtlich der Aussagekraft zur Wirkung von No Blame Approach ist diese Studie mit einer Teilnehmer-Zufriedenheits-Messung (Stufe 1) vergleichbar. 

Ergebnisbewertung
positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
0 Sterne, keine Beweiskraft

Programmumsetzung

erforderliche Kooperationen

Schulen (pädagogische Fachkräfte)

Programm umgesetzt in

bundesweit in Grundschulen und weiterführenden Schulen jeden Schultyps

Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Empfehlung auf der Internetseite des Bildungsportals des Landes NRW:
https://www.schulministerium.nrw/no-blame-approach

Empfehlung auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung:
https://www.bpb.de/lernen/grafstat/mobbing/46664/info-05-04-no-blame-approach


Suchzugänge


Das Programm wurde am 08.03.2017 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 28.04.2026 geändert.


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